Train as you fight!

Hallo liebe KODies. 


Ist dir bei den letzten beiden Blogbeiträgen aufgefallen, dass ich dich mit: „Train as you fight!“ verabschiede?


Dieser Satz, der aus der militärischen Denkschule stammt, bedeutet soviel wie: Trainiere das, was du wirklich brauchst. 

Darum soll es heute gehen.


Um in das Thema hinein zu finden, möchte ich dir eine Frage stellen: Woran orientiert du dich bei der Wahl deiner Ausrüstung und deiner Ausbildung?

Vielleicht sagst du jetzt, dass du das nicht in der Hand hast - darüber entscheiden andere Menschen.

Dann müsste man diesen Menschen die Frage stellen: Woran orientieren sich diese bei der Wahl eurer Ausrüstung und eurer Ausbildung? 


Warum diese Frage wichtig ist? Weil sie darüber entscheidet, ob ihr Profis seid oder Kosmetik. Kosmetik sorgt dafür, dass jemand besser aussieht. Aber willst du mit deiner Ausrüstung nur gut aussehen oder willst du wirklich ein Profi sein?


Vielleicht hilft es, die Bedeutung meiner Frage mit einem Beispiel zu verdeutlichen.


Hast du in deiner Ausbildung mal sogenanntes „Pratzentraining“ mitgemacht? Oder macht ihr das sogar regelmäßig in eurer Fortbildung? Für die von euch, die nicht wissen, was das ist. Pratzentraining arbeitet mit einer Pratze. Eine Pratze ist ein Schlagpolster. Man kann mit oder ohne Boxhandschuhen gegen eine Pratze boxen. Sie simuliert Treffer am Körper. Solltest du Kampfsportler sein, kennst du das bestimmt.


Die Frage die ich dir nun stellen möchte ist: Ist das eigentlich sinnvoll?


Lass mich zunächst mit den Vorteilen beginnen:

Kondition

Beim Pratzentraining verbessert sich deine Kondition.

Koordination

Du kannst deine Koordination, vor allen deine Auge-Hand-Koordination, mit Pratzentraining verbessern.

Distanzgefühl

Du entwickelst ganz automatisch ein gutes Gefühl für richtige Distanzen zu deinem Gegenüber.

Einstecken lernen

Im Partnertraining - insbesondere wenn der Partner hin und wieder mal zurück schlägt - lernst du automatisch, einen Treffer auch mal einzustecken.

WIR-Gefühl

Auch dieser Punkt ist wichtig. Wenn ihr gemeinsam trainiert und an eure körperlichen Grenzen geht, schweißt euch durch das zusammen.


Kommen wir zu den Nachteilen:

Boxen zum Kopf?

Würdest du wirklich zum Kopf boxen? Überlege dir das gut! Unterhalte dich mal mit Profis! Das schlagen zum Kopf mit der Faust ohne Boxhandschuhe ist regelmäßig keine gute Idee …

Überhaupt Boxen?

Ist es ein guter Plan, in der Öffentlichkeit - besonders wenn ihr gefilmt werdet (zum Beispiel mit Handykameras) - auf Bürger einzuboxen? Wohl eher nicht, oder? (PS: Ich bin leidenschaftlicher Boxer - sogenannter Pinoy-Boxer. Das stammt von den Philippinen. Ich rede hier also nicht gegen das Boxen an sich, okay?!)

Zeit besser nutzen

Die Zeit, die ihr für ein solches Training aufwendet, könnte sinnvoller genutzt werden - zum Beispiel für Konflikt-Kommunikationstraining oder ein spezielles Einsatztraining, dass dich wirklich voranbringt.

Verletzungsrisiko

Meine Erfahrung in 16 Jahren als Einsatztrainer bei der Polizei hat mir gezeigt, dass sich im Laufe der Zeit viele Kollegen beim Selbstverteidigungs-/Eingriffstraining übel verletzen und dann für längere Zeit ausfallen. Ist es das wert?

Mentales Training

Trainierst du in dieser Zeit genau die Lösungen, die du benötigst? Vor allem: Kannst du dieses Handeln auch wirklich abrufen? (Dazu werde ich noch mal einen speziellen Beitrag schreiben. Darin beschäftigen wir uns dann mit dem „Auslösetraining“).


Was also tun?


Frage dich, was wirklich passiert.

Worauf willst du dich vorbereiten?


Auch hier ein Beispiel. Braucht ihr wirklich einen Schlagstock? Wie oft wird dieser eingesetzt? Falls ihr ihn im Grunde nicht einsetzt: Was wollt ihr mit dem eigentlich erreichen? Wollt ihr eure Maßnahmen durchsetzen? Wollt ihr euch vor Angriffen schützen?


Da stellt sich doch die Frage, ob es eine Alternative zum Schlagstock geben könnte. Ich weiß: Das ist harter Tobak, was ich hier schreibe. Wahrscheinlich schreit in dir sofort der Reflex auf und ruft: „Was willst du denn jetzt? Weißt du eigentlich, wie gefährlich es draußen auf der Straße ist? Natürlich brauchen wir einen Schlagstock! Alle haben ein Schlagstock!"


In diesem Artikel geht es auch nicht um den Schlagstock an sich. Der Schlagstock kann eine richtig gute Lösung sein. Wahrscheinlich ist er ein sehr sinnvolles Werkzeug für dich und dein Team. Mir geht es darum, dass du dir einfach mal Fragen stellst, die du dir noch nicht gestellt hast.

Diese anderen Fragen können dazu führen, dass du deutlich besser wirst. Es ist wirklich sinnvoll, Bestehendes immer wieder infrage zu stellen.


Zusammenfassung


1. Frage ich, was du erreichen willst. Was ist dein Ziel?


2. Beschreibe möglichst viele alternative Lösungen.

Bei dem Schlagstockbeispiel könntest du neben dem Schlagstock überlegen, ob du besser spezielle Handschuhe mit starken Protektoren trägst. Vielleicht wäre auch ein Buckler (Faustschild) für dich sinnvoll. Oder einfach eine starke taktische Taschenlampe mit Stroboskop-Funktion (über diese Ausrüstungsgegenstände werde ich noch Artikel schreiben).


3. Trainiere, was du brauchst - Train as you fight


Lass das mal sacken.

Denke über das Bestehende nach.

Stelle es immer mal wieder infrage.


Mehr möchte ich mit diesem Artikel gar nicht erreichen.

Das macht dich zum Profi.

Dabei wünsche ich dir ganz viel Erfolg.


Und jetzt - genau:


Train as you fight!

ORKA