Ist Angst hilfreich, um mein Kind zu schützen?

Immer wieder werde ich gefragt: „Wie ist denn das nun mit der Angst: ist sie gut oder schlecht?“

Das kann ganz klar beantwortet werden: Angst ist gut.

Gut, wenn es darum geht, zu überleben. Wir, die Menschheit, haben hunderttausend Jahre überlebt, weil wir Angst kennen. Sie macht vorsichtig, aufmerksam – und sie schützt uns.

Sie ist allerdings überflüssig, wenn sie überflüssig ist. Wie bitte? Damit meine ich folgendes: Angst ist nicht erforderlich, wenn ihre Warnfunktion keinen Sinn hat. Stell dir bitte ein Kind vor, dass aus einer Familie mit viel Gewalt und Drogenmissbrauch herausgenommen wird und zu einer Pflegefamilie kommt. Es wird natürlich all seine Erfahrungen in Verhaltensweisen übertragen, auch wenn diese eigentlich nicht mehr erforderlich sind. Es könnte entspannen und vertrauen, ist aber noch nicht in der Lage, das zuzulassen, weil es ständig auf der Hut ist.

Etwas Ähnliches erzeugen wir, wenn wir unserem Kind Angst MACHEN vor der bösen Welt da draußen. Wir drehen das Verhalten des Pflegekindes quasi um: du kommst zwar aus geborgenen Verhältnissen, aber da draußen herrschen Gewalt und Menschen, die dir etwas Böses antun wollen.

Also doch die rosarote Brille? Piep, piep, piep, wir haben uns alle lieb? Nein, natürlich nicht. Doch ein realistisches Weltbild hilft. Der Straßenverkehr birgt Gefahren. Darauf sollten wir jeden Tag hinweisen. Die Wahrscheinlichkeit jedoch, vom „Schwarzen Mann“ (heutzutage mit doppelter Bedeutung…) entführt zu werden, ist hingegen sehr gering. Diese Gefahr ist mit wenigen verinnerlichten Fähigkeiten gut zu kontrollieren. Das Cybermobbing wiederum ist viel wahrscheinlicher, als eine Entführung, wird aber in Familien kaum thematisiert. Und so weiter…

Was also tun?

  • Informiere dich über die tatsächlichen Gefahren!
    Das kannst du ganz einfach tun, indem du dich rechts einträgst und einmal in der Woche Einblicke, Trends, Hinweise auf echte Gefahren, Lösungen, Tipps und Tricks erhältst. Kurz, knackig und auf den Punkt.
  • Vor dem (Be)Sprechen musst du zuhören!
    Hör deinem Kind konzentriert und genau zu. Nicht nebenbei, nicht mit dem Blick auf dein Smartphone.
  • Höre aktiv zu!
    Stelle Verständnisfragen. Lass deinem Kind Zeit und erzähle ggf. von deinen eigenen Erfahrungen.
  • Sprich im Aktiv!
    Worte spiegeln deine innere Haltung wider.

    • Wurde jemand Opfer oder
    • Hat sich jemand zu spät gewehrt?
      Beide Aussagen können das Selbe meinen. Der erste Satz steht aber im Passiv, während der Zweite im Aktiv geschrieben ist. Welche innere Haltung gibst du an dein Kind weiter?
  • Entwickle mit deinem Kind Sicherheits-Routinen
    Dein Kind muss sich an Absprachen halten. Es soll um 13:30 Uhr zu Hause sein? Sorge dafür, dass es pünktlich ist. Es wurde in der Schule geärgert? Schaffe aktiv den vertrauensvollen, ruhigen Raum, in dem es sich dir öffnen kann. Dränge dein Kind nicht zu Antworten, sondern schaffe Gelegenheiten für den entspannten Austausch. Wann habt ihr das letzte Mal miteinander gebastelt oder gespielt?

Viel Erfolg!
Dein ORKA

 

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